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Rädertierchen

In den abgeernteten Mörtelwannen, in denen ich schwarze Mückenlarven vermehre, haben sich neben vielen roten Mückenlarven auch dichte Bestände von verschiedenen braun-orange farbene Rädertierchen gebildet. Morgens ist das Wasser gelblichklar und mittag in der Sonne wallen dichte Schwärme unter der Wasseroberfläche.
Meine Jungfische sind begeistert. Mit konservierten, konzentrierten Schwebealgen, Futter für Salzwasserrädertierchen, werde ich versuchen eine funktionierende Indoor-Kultur aufzubauen.

„Der Mythos Rädertierchen“

In der Züchterszene versteht man unter „Rädertierchen“ eine Mischung aus verschiedenen Arten der Gattungen Brachionus, Keratella, Rotaria und etlicher anderer Arten.
Rädertierchen sind etwas geheimnisumwittert. So werden häufig „Rädertierchen“ verfüttert, aber welche Arten man da wirklich verfüttert, wird nur selten kontrolliert. Zum Bestimmen von Planktonorganismen nutze ich das Buch „Leben im Wassertropfen“ aus dem Kosmosverlag. Viele genaue und nach Gebieten sortierte Abbildungen erleichtern die Bestimmung einzelner Arten sehr. Alle mir zugänglichen „Rädertierchen“-Kulturen, die mit Milch, Reis, Rüben, Kürbis oder anderen Lebensmitteln gefüttert werden, beinhalteten nach Durchsicht mittels eines einfachen Mikroskops keine oder nur ganz wenige Rädertierchen. Die vielen umher schwirrenden und kreiselnden Tierchen waren Geißel- oder Wimperntierchen, meist Pantoffeltierchen. Die Jungfische wachsen mit diesem Futter nach meinen Erfahrungen bei weitem nicht so schnell und gleichmäßig heran, als wenn man Rädertierchen verfüttert.
Meine ersten Kontakte mit Rädertierchen hatte ich beim Fang von Lebendfutter in Teichen und Weihern mit Hilfe von feinsten Tümpelnetzen mit 50 bis 150µm Maschenweite. Rädertierchen sind meist zwischen 300 und 600µm lang und 150 bis 250µm breit. Der Gesamtfang besteht in meiner Gegend aus einer Mischung von Cyclops, Rädertierchen, Ciliaten und Wasserfloharten. Im Laufe des Jahres verändert sich die Artenzusammensetzung des Fangs. Im Frühjahr überwiegen Cyclopsnauplien und Rädertierchen, während mit zunehmenden Temperaturen Wasserflöhe der Arten Gattungen Bosmina, Moina, Daphnia und Ceradaphnia den Hauptanteil ausmachen. Im Herbst lösen verschiedene Cyclops-Arten die Wasserflöhe ab. Beim Fang merkt man die unterschiedlichen Zusammensetzungen meist nur an der Farbe des Fangs. Bei überwiegend Rädertierchen ist der Fang hellorange gefärbt, bei Wasserflöhen olivgrüne und bei Cyclops grünlich orangerot. Beim Verfüttern dieser Mischungen werden nach meinen Erfahrungen erst die Rädertierchen und Cyclopsnauplien gefressen, danach die größeren Cyclops und zum Schluss die Wasserflöhe.
Beim Füttern von kleinsten Jungfischen hat die Naturmischung einen großen Nachteil, da man die Rädertierchen nicht mittels verschiedener Siebe von einander trennen kann. Von den Cyclopsnauplien bleiben durch ihren wesentlichen schnelleren Bewegungen häufig einige übrig, die sich im Aufzuchtbecken zu erwachsenen, manchmal räuberischen Cyclops, weiter entwickeln. Erwachsene Cyclops können Jungfische verletzen und auffressen.

Halbherzige Kulturversuche mit einer Fütterung von Hefe, Spirulinapulver und Milchprodukten brachen alle in kürzester Zeit zusammen. Nur in dem Schmodder der bei der Zucht von Moina sp. in den flachen Schalen entsteht, wimmelte es von Rädertierchen meist Rotaria rotaria und ähnliche Arten. Aber auch hier war das größte Problem die Kulturen über einen längeren Zeitraum am Laufen zu halten.

Durch einen Zufall bin ich 2009 zu einer riesigen Menge an Rädertierchen gekommen: Unseren Kindern haben wir einen größeren Pool von 7 m³ gekauft. Da wir nur mit „Sauerstoff“-Tabletten und nicht mit chlorhaltigen Produkten die Wasserqualität stabilisierten, wurde das Wasser schon eine Woche nach der letzten Zugabe von Wasserpflegemitteln ganz grün, was vielleicht auch an dem halben Liter Flüssigdünger gelegen hat, der mir zufällig in den Pool gefallen ist. Nach wenigen Tagen legten eine Menge Zückmücken ihre Eier in Form von Schleimwürsten ans den Rand des Beckens. So konnte ich nach einer weiteren Woche täglich zwischen 30 und 50 ml roter Mückenlarven fangen. Ende Oktober nach fast 2 Monaten musste ich, nach mehreren Erinnerungen von meiner Frau, den Pool abbauen. Jetzt erst bemerkte ich, dass das Wasser nur so von Rädertierchen wimmelte. Einen Teil des Wassers verteilte ich auf zwei Plastikwannen mit je 300l Volumen und konnte ohne weitere Pflege bis zum Frühjahr reichlich Rädertierchen für meine kleinsten Jungfische fangen. Mitte April fand ich dann neben den Rädertierchen auch Wasserflöhe, die sich in dem grünen Wasser rasend schnell vermehrten und das Wasser klar fraßen. Mit abnehmender Dichte an Schwebealgen wurden die Rädertierchen auch weniger, so dass ich beschloss die Wasserflöhe zu entfernen. Was aber mit einem feinen Aquarienkescher kaum zu schaffen war, obwohl ich täglich eine gute Menge an Wasserflöhen entfernte, blieb das Wasser klar. Erst nach dem ich ein automatisches Fangsystem mittels eine 40er Luftheber und einem Fangsack benutzte, schaffte ich die Wasserflöhe auf einem geringen Bestand zu halten. Dieses System funktionierte bis in den Hochsommer ohne größere Wasserwechsel oder andere Zugaben.

Das kuriose an der Kultur von Rädertierchen ist, dass sich nur die Süßwasserarten so schwierig kultivieren lassen. Salzwasserarten, die schon lange Jahre in der Aquaristik und Aquakultur vermehrt werden, können mit etwas Aufwand und speziellem Fertigfutter, in Reinkulturen und enormen Dichten gezüchtet werden.

Im Frühjahr 2012 brauchte ich zu Zucht von Poropanchax brichardi und anderen empfindlichen Kleinfischen eine zuverlässige Futterquelle. Aus diesem Grund richtete ich eine der 300 Liter fassenden Wannen her. Die gereinigte Wanne füllte ich mit Frischwasser und gab ca. 100 ml eines günstigen Flüssigdüngers hinzu. Schwebalgen zum Animpfen konnte ich im Nachbarort aus einem Springbrunnen bekommen. Die Algenbrühe siebte ich durch ein 20 µm Sieb um keine unerwünschten Tier mit einzuschleppen. Nach dem das Wasser leicht grün wurde, impfte ich Kultur mit Rädertierchen aus verschiedenen Quellen an. Hierzu reicht es einen Liter Wasser aus dem Uferbereich von Teichen oder Tümpeln zu nehmen. Je mehr verschiede Quellen, desto eher funktioniert die Kultur. Das Wasser sollte, um unerwünschte Tiere nicht erst einzuschleppen, durch ein 150 – 200 µm Sieb gegossen werden.
Damit ich regelmäßig mit grünem Wasser nachfüttern kann, stellte ich ein sauberes 200 Liter Aquarium auf die Wanne. In dem Aquarium vermehren sich die Algen mit wenig Dünger so schnell, dass ich alle 3-5 Tage 150 bis 170 Liter zu den Rädertierchen geben kann. Hier ist wichtig nicht zu lange zu warten, weil die Schwebalgen ab einer bestimmten Dichte schnell verklumpen und sich absetzen. Wenn mir das mal passiert ist, habe ich die Rädertierchen mit getrocknetem Rinderblut (Angelbedarf) gefüttert. Als Ersatz funktioniert dies über 2-3 Tage ist aber als Alleinfutter aber nicht geeignet. Mit der Zeit machten sich dann doch Cyclops, Wasserflöhe und Muschelkrebse in der Kultur breit. Ich fische mit einem feinen Aquarienkescher täglich einmal alle sichtbaren größeren Tiere ab und konnte so bisher ohne Probleme die Rädertierchen weiter kultivieren. Der Nachteil beim automatischen Fang ist, dass ich der Fangbeutel zusetzt und dann auch Rädertierchen fängt oder verletzt.
Nach unserem Sommerurlaub haben die Wasserflöhe dann doch die Herrschaft übernommen und das Wasser klar gefressen. Rädertierchen konnte ich keine mehr entdecken. Deshalb reinigte ich zuerst das Aquarium um grünes Wasser zum Verfüttern zu haben. Zum Animpfen nutze ich 10 Liter von dem klaren Wasser aus der Rädertierchenwanne, dass ich aber zur Sicherheit durch ein 20µm Sieb gegeben habe. Nach der Zugabe von Flüssigdünger und einigen Tagen Sonne wurde das Wasser schnell grün. Jetzt wurde es Zeit die Wasserflöhe zu entfernen. Mit einem feinen Aquarienkescher von 20 cm Kantenlänge entfernte ich möglichst alle Wasserflöhe und auch den mit der Zeit entstandenen Mulm. Nach dem sich die trübe Brühe abgesetzt hatte, konnte ich die ersten wenigen Rädertierchen entdecken. Nach Zugabe von 150 Liter grünem Wasser konnte ich nach einer Woche wieder Rädertierchen zum Verfüttern entnehmen.
Für den Winter werde ich versuchen die Kultur im Keller weiter zu erhalten. Das größte Problem wird das Bereitstellen von ausreichend Licht zur Vermehrung der Schwebealgen sein. Da habe ich aber schon einige Ideen.

Kurze Zusammenfassung: – Rädertierchenkulturen funktionieren nur zu verlässig mit Schwebalgen als Futter. – Je mehr Licht, desto einfacher ist die Vermehrung der Schwebealgen. – Bestimmte Algenarten sind nicht zwingend erforderlich. – Futterkonkurrenten und Fressfeinde kann man auf Dauer nicht aus der Kultur halten. – Posthorn-, Blasen- oder andere Schnecken sind zu entfernen – Die Kultur funktioniert von 10 bis fast 30°C, günstige Temperatur 18 bis 22°C