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Poropanchax brichardi

Mein Artikel aus Amazonas Nr. 45 Januar/Februar 2013

Poropanchax brichardi

Lange Jahre war diese Art für mich ein Phantom, die ich nur von wenigen Bildern und spärlichen schriftlichen und mündlichen Berichten kannte. Da Poropanchax brichardi nur selten alle 1-2 Jahre mal in geringen Mengen importiert wurde, empfindlich auf Fang, Transport und unpassende Haltung reagiert und es nach meinen Recherchen auch jemanden gelang den Fisch über einen bestimmten Zeitraum zu vermehren oder zu erhalten, waren meine intensiven Bemühungen einige dieser “Juwelen“ zu erwerben, erfolglos.
Dieter Bork schrieb zwar in dem Buch „“ von einer recht einfachen, fast schon zu einfacheren, Vermehrung und Aufzucht von Poropanchax brichardi, hier noch unter Congopanchax geführt, was Anlass zu manchen Spekulationen gab. Die Bilder zeigen aber eindeutig die gleiche Art, die ich später als Poropanchax brichardi erworben habe.
Laut telefonischer Nachfrage bei Herr Bork war die Vermehrung unter sauberen Bedingungen wirklich einfach, einzig das langsame Wachstum der Nachzuchten, welche erst nach 7 Monaten geschlechtsreif wurden, und die geringe Nachfrage, veranlasst ihn dazu die Art nicht weiter zu vermehren.

Ende März 2012 konnte ich dank meinem Freund René Ruth und seinen Kontakten 10 Poropanchax brichardi erwerben. Ein Fisch überstand den Transport nicht, wo mit man bei so kleinen und „zarten“ Fischen schon mal rechnen muss. Der Rest setzte ich in ein frisch eingerichtetes 25l fassendes Aquarium, dass nur mit einem kleinen, sauberen Schwammfilter, einer dünnen Sandschicht und etwas Javamoos eingerichtet war. Beim Umgewöhnen der Fische an die neuen Wasserwerte (280µS/cm; 3°dKH: 9°dGH; ph-Wert 7,4; 24°C), pickten einige der Poropanchax brichardi an Moosfetzen und anderen Partikel im Transportwasser. Eine kleine Menge frisch geschlüpfter Artemien fraßen sie schnell auf, was meine Befürchtungen deutlich minderte. Nach einigen Stunden im neuen Aquarium begann ein größeres Männchen sein Moospolster gegen andere Männchen zu verteidigen und lockte die Weibchen Richtung Moos.
Vermutlich kann kein Foto die attraktive Färbung der Männchen genau abbilden: Schwanz- und vergrößerte Afterflosse sind in einem hellen intensiven Rot gefärbt, die Bauchflosse in orange und die Rückenflosse in rauchgrau, dass sich bei der Balz in schwarz ändert. Dazu hat die recht große Rückenflosse an der Basis einen schmalen langen Zipfel, der bei erwachsenen Männchen fast bis zur Schwanzflosse reicht. Die Schuppen auf dem ganzen Körper reflektiert hellblau und der Kopfbereich schimmert oft gelblich. Die Weibchen zeigen auch diesen blauen Glanz, aber doch deutlich weniger als bei den Männchen, dazu sind Schwanz und Afterflosse etwas rotorange gefärbt.

Über Nacht starb ein Weibchen ohne besonders auffällige Merkmale und einige der restlichen Fische „klemmten“ die Schwanzflossen. Das ist nicht unübliches nach dem Umsetzen von empfindlichen Fischen in eine neue Umgebung. In der Regel hilft ein Zusatz von Kochsalz bis zu einer Leitfähigkeit von 2000µS/cm. Nach einer weiteren Nacht hat sich der Zustand der Fische nicht gebessert. Sie fraßen zwar Artemien und kleinste Wasserflöhe, aber so richtig fit waren alle nicht. Neben einem Salzzusatz haben sich Erlenzapfen bewährt, die durch die darin enthaltenen wasserlöslichen Stoffe, wie Tanine, Huminstoffe und andere, antibakteriell wirken. Ein 50% Wasserwechsel und die Zugabe von 10 größeren Erlenzapfen halfen erstaunlich schnell, sodass die Fische über Nacht gesund und munter waren. Mittlerweile haben sich die Wasserwerte auf 1200µS/cm und ph 6,5 verschoben. Mit weiteren täglichen Wasserwechseln entfernte ich den Kochsalzzusatz und erleichterte den Fischen die Eingewöhnung, gab aber weiterhin immer ein bis zwei Erlenzapfen nach dem Wasserwechsel hinzu, sodass das Wasser eine ordentliche braune Färbung hatte. Ein Männchen verstarb nach Fütterung von größeren Cyclops sp., aber der Rest war fit, täglich wurden sie runder und die Männchen balzen fleißig.
Meine Männchen fangen gegen 11 Uhr morgens, etwa 3 Stunden nach Anschalten der Beleuchtung, an ihr Revier gegen weitere Männchen zu verteidigen. Nach einer halben bis ganzen Stunde werden die kräftigen Weibchen energisch mit gespreizten Flossen und vielen schnellen Hüpfern in Richtung Laichplatz gelockt. Dazu benutzen sie ihre orange gefärbten Bauchflossen wie kleine Signalflaggen um auf sich aufmerksam zu machen. Die Weibchen zeigen sich anfänglich eher belästigt als interessiert und gehen dem Männchen aus dem Wege. Nach und nach zeigen die Bemühungen des Männchens Wirkung und einzelne laichreife Weibchen flüchten nicht mehr, sondern folgen dem Männchen etwas später in Richtung Laichplatz. Dort begutachten sie diesen und suchen nach einer geeignete Stelle zum Ablaichen. Eng aneinander geschmiegt werden nach einigen Scheinpaarungen 4 bis 10 Eier im lockeren Javamoos abgelaicht. Die Eier sind mit einem elastischen Faden am Moos befestigt.

Anfang April konnte ich die ersten, wasserklaren Eier, von ca. 1mm Durchmesser, im Javamoos entdecken und sammelte diese mit einer Pinzette, aus Edelstahl mit glatten Backen, ab. In kleinen Plastikschalen bei geringem Wasserstand, täglicher Kontrolle und Reinigung entwickelte sich ca. die Hälfte der abgesammelten Eier problemlos. Nach fünf Tagen färbten sich die guten Eier langsam grau und man konnte schon die Augen der Jungfische erkennen. Nach zehn bis elf Tagen bei 22 bis 25°C schlüpften die ersten Jungfische mit ca. 3,5 mm fast ohne Dottersack und schwammen gleich dicht unter der Wasseroberfläche. Ich setzte die geschlüpften Jungfische in kleine Plastikaquarien mit einer zarten Belüftung und ein bis zwei mittleren Posthornschnecken, die die anfallenden Futterreste fressen sollen. Als Erstfutter reichte ich mit Milch gefütterte Pantoffeltierchen, Rädertierchen (verschiedene Brachionus -Arten) und auch feinster Trockenfutterstaub. Nach meinen Beobachtungen wurden alle Futterarten recht zaghaft gefressen. Täglich wechselte ich 50% des Wassers, saugte den Mulm und Schneckenkot ab und fütterte je nach Möglichkeit bis zu fünfmal pro Tag. Um gierige Fresser handelt es sich bei der Art nicht, hier und da wird mal was gefressen, aber immer nur mit größeren zeitlichen Abständen. Leider erkennt man bei den jungen Poropanchax brichardi durch den silbrigen Eingeweidefleck, kaum wie viel und was sie gefressen haben. Sie wuchsen aber ganz gut und es gab nach dem ich zusätzlich zu dem Frischwasser ein wenig Erlenzapfenlösung hinzu gab, kaum Ausfälle unter den Jungfischen.
Nach 5-6 Tagen sind die Fische auf 5 mm gewachsen, fraßen aber immer nur zaghaft. Als Hauptfutter gab ich Räder- und Pantoffeltierchen, die fast alle bis zum nächsten Tag verschwunden waren. Mit 14 Tagen waren jungen Poropanchax brichardi auf 6-8 mm abgewachsen und ich füttere die ersten frisch geschlüpften Artemien, die aber nicht besonders gerne gefressen wurden. Viel lieber fraßen sie die wesentlich kleineren Räder- und Pantoffeltierchen. Nach vier Wochen waren die meisten Jungfische auf 10 mm abgewachsen und fraßen morgens, wenn sie besonders hungrig waren, auch die Artemien. Die Art bevorzugt nach meinen Beobachtungen kleine und kleinste Futterbrocken, die über den ganzen Tag verteilt aufgenommen werden und bei einem großen Futterangebot schnell gesättigt ist.
Nach gerade mal 8 Wochen konnte ich bei den 14-15 mm großen Nachzuchten die ersten Männchen erkennen. Ihre Schwanz- und Afterflossen färbten sich leicht rot und der ganze Körper war wie mit feinstem Goldstaub bedeckt. Unter den ersten Hundert Nachzuchten war die Geschlechterverteilung recht ausgeglichen, später habe ich nicht mehr darauf geachtet.
Wichtig bei der Aufzucht sind viele Wasserwechsel und regelmäßiges Absaugen des anfallenden Mulm und Schneckenkot. Einen kleinen Schwammfilter gebe ich erst nach 2 Wochen hinzu. Die Jungfische sollten bestmöglich gefüttert werden, nur dann ist das Wachstum so schnell wie bei meinen ersten Nachzuchterfolgen. Spätere Nachzuchten brauchten 3 Monate bis zum Zeigen der ersten Geschlechtunterschiede, trotzdem sind sie nicht schlechterer Qualität als die ersten meiner Nachzuchten. Die F2- Generation unterscheidet sich nicht von ihren Großeltern und ich rechne nicht mit Schwierigkeiten, wie einer geringeren Eizahl, Fertilität oder Endgröße, bei der weiteren Vermehrung der Art.

Bei meiner ersten Zuchtgruppe bestehend aus 2 Männchen und 4 Weibchen konnte ich im Laufe von 22 Tage 686 Eier, absammeln, von denen sich unter den oben beschriebenen Bedingungen 458 entwickelten und Larven schlüpften. Von den geschlüpften Larven konnte ich 342 Stück bis zu einer Größe von 12 mm aufziehen. Nur 12 Stück hatten geringe Flossen- oder Wirbelsäulenbeschädigungen und wurden aussortiert. Die meisten der Verluste, insgesamt 116 Stück, traten kurz nach dem Schlupf (42 Stück) und der ersten Nahrungsaufnahme (37 Stück). Die restlichen 37 Stück „verschwanden“ meist ohne von mir bemerkt zu werden, während der weiteren Aufzucht.
Da die Weibchen fast nicht zu unterscheiden sind, konnte ich keine besondere Laichzeit oder einen Laichrhythmus beobachten. Nach meinem Eindruck und auch bestätigt durch die recht gleichmäßigen Stückzahlen der abgesammelten Eier (22 bis 43 Stück pro Tag), laichten die Weibchen fast täglich. Obwohl die beiden Männchen sich deutlich in der Größe unterschieden haben und der Kleinere häufig von dem Größeren gejagt wurde, laichten beide mit den Weibchen, teilweise dicht beieinander, ab. Bis auf gelegentliche minimale Flossenverletzungen konnte ich nach Kämpfen der Männchen keine Verletzungen feststellen.
Auch konnte ich nicht ein einziges Mal einen Befall mit Oodinium sp. feststellen, der bei anderen Haltern oft Probleme bereitete.

Nach meinem Sommerurlaub, während dessen ich diesen Artikel geschrieben habe, werde ich ein 60er Aquarium mit 25 bis 30 Poropanchax brichardi besetzen und bin gespannt, wie sich der Fisch in einer größeren Gruppe verhält.